Reviergang: Die lieben Kollegen (Reisepresseschau Nr.1)

Meine Favoriten für Reiseartikel der vergangenen Woche: Amis wird das Meckern des Berliners nähergebracht, Abhängen mit Wassersportfreunden auf Dahme und Spree sowie die versuchte Ergründung des touristischen Reizes der Tiefebene. Das und vieles mehr…

 

 

 

 

Drei Video-Reisetipps für Usedom

Unterwegs mit dem Inselhistoriker Fritz Spalink aus Heringsdorf. Er empfiehlt folgende Ausflüge auf der Insel: 1. Zu den zehn letzten Küstenfischern, die morgens gegen 7 Uhr an den Stränden zwischen Ahlbeck und Bansin ihren Fang anlanden, 2. einen Rundflug im historischen Doppeldecker des Fliegerclubs ab dem Flugplatz in Mellenthin für 65 Euro für 30 Minuten sowie 3. ein Besuch im Fischerdorf Loddin, wo die Bauernkaten mit traditionellen Schilfdächern gedeckt sind.

 

Im Minifloß über Berliner Gewässer

Der Berliner Schriftsteller Norman Ohler reist in einem winzigen Holzkajütboot, das er treffend als Wasserkutsche tituliert. Er nimmt die Leser der Zeit mit auf die dreitägige „große Idiotenrunde“, durch die Spree- und Dahmegewässer im Südosten Berlins. Ohler schildert die vorbeiziehenden großen und kleinen Sehenswürdigkeiten am Ufer. Unterhaltsam ist die kurze Milieustudie im Kreise von Berliner Wassersportfreunden und Angler.

 

Mit Schweizern durch Berlin-Neukölln

Der Beliner Journalist David Schelp begleitet für die FAZ eine Gruppe von Schweizer Schülern auf einer Kieztour durch Neukölln. Im Fokus stehen die Konfliktbereiche des Stadtteils, besonders spannend für jene Eidgenossen mit Migrationshintergrund. Fazit der Jugendlichen: „Bei uns sehen Problemviertel krasser aus.“

 

 Adlerauge über Berlin

Die Bild am Sonntag bringt einen sehr schön launig geschriebenen Artikel von Katharina Windmaißer über einen Steinadler, der mit einer Kamera auf dem Rücken über Berlins Landmarken segelt. Flightseeing nennt sie das. Aus dem Blickwinkel eines Tierschützer mag das fragwürdig sein, de facto ist es aber mal etwas anderes im Reiseteil.

 

Sonne satt auf Usedom

Bernhard Krieger bringt für den dpa-Themendienst mal wieder das Thema „sonnenreichster Ort Deutschlands“ auf Papier und Bildschirm. Diesmal darf sich Zinnowitz auf Usedom als Ort mit der längsten Jahressonnenscheindauer rühmen, gemessen vom Deutschen Wetterdienst für die vergangenen 30 Jahre. Nach dieser Nachricht gibt es weiteres Brandaktuelles von der Sonneninsel: Wellnesshotels, Feininger-Rad-Tour, Bäderarchitektur, Fischbrötchen, Bernsteinsuche, Wandern und Golfen unterm Seeadler.

 

Kirche und Tourismus

Joachim Göres, freier Journalist aus Celle, fasst in den Postdamer Neueste Nachrichten die wissenschaftlichen Forschungen zum Thema „Touristen besuchen Kirchen“ zusammen. Deutsche und norwegische Forscher fragten die Gäste zwischen Chorraum und Orgelempore nach den Motiven und der Wirkung des Kirchenbesuchs außerhalb des Gottesdienstes. Außerdem wird kurz referiert über Haupattraktionen im sakralen Raum und über finanzielle Erlösmodelle aus den Geldbörsen der Urlauber.

 

Reizvolle Tiefebene

Der Bonner Journalist und Geograf Walter Schmidt befasst sich in den Potsdamer Neueste Nachrichten mit der Erholungswirkung flacher Landschaften. Er spürt also der Frage nach, die sich jeder Alpinist verwundert über freiwilligen Urlaub in Norddeutschland stellt: Welchen Reiz hat dieses platte Land? Neben dem historischen und anthropologischen Erklärungsansatz, landet der Autor schließlich auch bei der Einsicht eines Psychologen: Stadtmenschen von heute würden naturnahe Landschaften bevorzugen, da sie sich hier vom Alltagsstress gut erholen würden.

 

Was dem Papst nicht in den Terminplan passt

Andreas Heimann vom dpa-Themendienst wählt einen schönen Aufhänger für einen Stadtrundgang durch die Erfurter Altstadt. „Was der Papst bei seinem Erfurt-Besuch“ verpasst: Sakrale Stadtgeschichte und kulinarischen Zwischenstopps zwischen Rostbratwurst und Thüringer Klößen.

 

Alt vor Anker

Alexandra Glanz von der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung nimmt ihre Leser mit auf eine Flusskreuzfahrt mit der „Clara Schumann“ von Magdeburg nach Prag. Neben dem Abhaken der Besichtigungspunkte gibt es eine Profilbeschreibung des Flusskreuzfahrers: steinalt, bequem aber unternehmungslustig.

 

Rügen für Künstler

Beate Köhne, freie Journalistin in Berlin, begleitet einen Urlauber-Malkurs auf Rügen. Mit der Malerin Gudrun Arnold, werden malerische Orte – vieles davon sind echte Geheimtipps für den Insel-Laien – für die WAZ aufgesucht. Und natürlich wird auf den Spuren berühmter Maler und Grafiker gewandelt, die zwischen Arkona und Strelasund ihr Skizzenbuch zückten: Caspar David Friedrich, Adolph Menzel und Karl Freidrich Schinkel, um nur einige zu nennen.

 

Hausbootfahren im Bürosessel

Lena Berger schreibt einen kleinen Artikel über das Hausbooturlauben in Mecklenburg-Vorpommern und verknüpft es für den Schweizer 20-Minuten-Leser mühelos auch noch mit einer Flugreise an den Strand von Usedom. Macht Sinn – vor allem für den Werbekunden.

 

Anekdoten aus dem Abteil

Yann Butillon reist für die Leser der Le Monde mit dem Zug von Warschau nach Berlin. In seinem Abteil nehmen unterschiedlichste Menschen Platz: aus Polen und aus Japan. Die jüngere Zeitgeschichte ruckelt auf etwa 600 Schwellenkilometern vorbei. Das Fazit fällt nüchtern aus: Der Warschauer und der Berliner Ostbahnhof unterscheiden sich voneinander nur unwesentlich.

 

Kanalboot – das britische Hausboot

Der Londoner Reisejournalist Tim Moore gibt in der Financial Times schöne Einblicke in das Hausbootfahren an sich, sowie über das Kanalbootreisen auf dem Londoner Grand-Union-Kanal im Besonderen. Eine amüsante Entdeckungsreise über einen vergessenen Pfad durch die britische Hauptstadt.

 

Neunzehnhundert Nullachtfuffzehn

Henri Schumacher schreibt für das Lёtzeburger Journal die Geschichte des Canal du Midis auf. Es folgen noch einige Eindrücke über eine scheinbar unternommene Hausbootreise von Toulouse nach Sète.

 

„Da kannste nich Meckern“

Im Wall Street Journal bringt J. S. Marcus auf sehr sympathische Weise als einfühlender Reisereporter seinen amerikanischen Lesern die Berliner Eigenart  des Meckerns bei. Eng verknüpft mit einem aktuellen Berliner Ereignis: dem Schienersatzverkehr bei S- und U-Bahn. Im Vorbeigehen hat er beim Fahrgastverband auch gleich noch eine Meckerprognose für die nächsten Jahre eingeholt: es wird baustellenbedingt eher noch schlimmer.

 

Berlin, Potsdamer Straße – Germany’s Next Top Spot

Die nächste hippe Berliner Künstlermeile mit internationalen Künstlern entsteht gerade in der Potsdamer Straße, meint die Wahlberlinerin Kimberly Bradley für die New York Times. Sie besuchte den Galleristen Martin Klosterfelde,  einen Londoner Ableger der Blain-Southern-Gallerie, den Modekünstler Andreas Murkudis und die im September eröffnende Gallerie Nolan Judin sowie das Freie Museum Berlin. Wird an der Potsdamer Straße im Stadtteil Tiergarten bald die Gentrifizierung ihre Fortsetzung finden? Die Künstler glauben: erst einmal nicht. Es sei noch genügend Platz.


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